Islamrat legt Beschwerde gegen BR-Sendung "Klar" über Islamismus ein
Nach der Ausstrahlung der Sendung „Wo uns Islamismus unterwandert“ legt der Islamrat Programmbeschwerde gegen BR und NDR ein. Der Verband sieht muslimisches Leben unter Generalverdacht gestellt – die Sender prüfen die Vorwürfe.
München, Köln (epd). Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland hat gegen eine Folge der Sendung "Klar" von Bayerischem Rundfunk (BR) und Norddeutschem Rundfunk (NDR) zum Thema Islamismus Programmbeschwerde eingelegt. "Die Beschwerde richtet sich nicht gegen die Berichterstattung über Extremismus, sondern gegen die pauschalisierende, antimuslimische Wirkung, die der Beitrag entfaltet", teilte der Islamrat am Donnerstag in Köln mit. "Der Beitrag ist einseitig, alarmistisch und gesellschaftlich gefährlich", erklärte der Vorsitzende Burhan Kesici.
Die am 29. April veröffentlichte Sendung steht unter dem Titel "Wo uns Islamismus unterwandert". Der Bayerische Rundfunk bestätigte dem Evangelischen Pressedienst (epd), die Beschwerde erhalten zu haben. "Wir werden uns nun in der gebotenen Sorgfalt inhaltlich damit auseinandersetzen", erklärte ein Sprecher.
Forderung nach medienethischer Prüfung
"Wir kritisieren, dass dieser Beitrag sehr unterschiedliche Phänomene zu einer alarmistischen Unterwanderungserzählung verbindet und dabei Islam, muslimische Alltagspraxis und migrantisch geprägte Räume in einen problematischen Verdachtszusammenhang stellt", erläuterte Kesici. Konkret fordert der Islamrat eine "umfassende programmrechtliche, journalistische und medienethische Prüfung des Beitrags". Auch sollten BR und NDR die Kommentarspalten auf ihren Kanälen überprüfen und "konsequent gegen pauschal antimuslimische, entmenschlichende, gewaltnahe oder möglicherweise rechtswidrige Kommentare vorgehen".
Der Islamrat zählt nach eigenen Angaben über 400 Moscheegemeinden in ganz Deutschland als Mitglieder. Hinzu kämen über 1.000 Einrichtungen zur Frauen-, Jugend- und Sozialarbeit sowie zur Bildung und Eltern- sowie Nachhilfevereine.
