Wie stark ist der IS in Österreich?
Diese Woche sind in zwei der bisher größten Terrorprozesse in Österreich die Urteile gefallen: Der Anschlag in Villach und die geplanten Attentate auf ein Konzert von Taylor Swift in Wien zeigen das Ausmaß des Problems.
Ihre Biografien könnte unterschiedlicher nicht sein – und dennoch sind sie die zentralen Protagonisten zweier aufsehenerregender Terrorprozesse, die diese Woche ihren Abschluss fanden.
Ahmad G., ein 24-jähriger Syrer, der im Jahr 2020 als Asylwerber nach Österreich gekommen war, stach im Februar 2025 in der Villacher Innenstadt wahllos auf Passanten ein und ermordete einen erst 14-jährigen Österreicher. Vor Gericht zeigte G. keinerlei Reue. Er würde wieder töten, bejahte er eine entsprechende Frage des Richters.
Der zweite Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen, obwohl der Anschlag nicht durchgeführt wurde: Der gebürtige Österreicher Beran A. hatte im Sommer 2024 ein Massaker rund um die Konzerte von Taylor Swift in Wien geplant. »Fuck«, habe er geschrien, als er sich in Haft erstmals in seine potenziellen Opfer eingefühlt habe, beteuerte A. vor Gericht.
Die zwei Fälle zeigen: Es gibt radikalisierte Asylwerber genauso wie fanatische Teenager, die im Land aufgewachsen sind. Es gibt »einsame Wölfe«, die sich wie der Villach-Attentäter blitzschnell über soziale Medien radikalisieren. Und solche wie Beran A., die tatsächlich an Strukturen der Terrororganisation IS angedockt sind. So soll der verhinderte Swift-Attentäter sogar mit hochrangigen Kadern des IS kommuniziert und sich über Methoden und Ziele unterhalten haben. Ursprünglich wollte A. mit zwei Freunden zeitgleich Anschläge in Istanbul, Dubai und Mekka durchführen.
In Mekka droht dem Österreicher Hasan E. nun die Todesstrafe, weil er auf Sicherheitskräfte einstach. A. kehrte aus Dubai zurück, widmete sich daraufhin Anschlagsplänen in Österreich. Vor Gericht sitzt auch sein Freund, der nach Istanbul gereist war.
Der Prozess gegen A. zeigte, dass sein Umfeld immer wieder Hinweise auf dessen terroristische Pläne erhalten hat. Den Behörden meldete das niemand. Erst der Hinweis eines ausländischen Partnerdienstes machte die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) auf A. aufmerksam. Der Villach-Attentäter war hingegen nie auffällig geworden, galt sozial als isoliert. Er erhielt eine lebenslange Haftstrafe, Beran A. muss für 15 Jahre in Haft. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Als wichtigste Maßnahme im Kampf gegen Terrorismus sieht der Staatsschutz die Möglichkeit, Chats mitlesen zu können. Das wurde bereits legalisiert, derzeit wird nach einer passenden Software gesucht.
Langfristig müssen Jugendlichen Angebote gemacht werden, wie sie einen weltoffenen, »westlichen« Islam leben können, sagt der Islamtheologe Mouhanad Khorchide im STANDARD . »Jugendliche dürfen nicht das Gefühl haben, sie müssten sich zwischen Islam und Europa entscheiden«, sagt Khorchide. Oft diene »die Identifikation mit Religion der Selbstvergewisserung der eigenen Identität«.
