Der reaktionäre Islam bedroht unseren liberalen Verfassungsstaat

26 Mayıs 2026 16:44

Während die europäischen Gesellschaften zunehmend säkular werden, tritt der Islam mit dem Anspruch auf, alle Bereiche des Lebens zu bestimmen. Das alternde Europa der Aufklärung unterschätzt diese Gefahr.

Alman yazardan ‘İslam’ yazısı: Anayasal devletimizi tehdit ediyor

Ob der Islam zu Deutschland gehört, ist eigentlich keine relevante Frage mehr. Sie ist letztlich so sinnvoll, als würde man im gestarteten Flugzeug sitzen und darüber streiten, ob man nun abheben will oder nicht. Eine Religion, der hierzulande schätzungsweise fast sechs Millionen Menschen angehören, ist einfach ein Bestandteil des Landes. Das kann man gut oder schlecht finden, aber das ändert nichts an den Fakten.

Darum sollte der Blick besser darauf gerichtet werden, was für eine Rolle der organisierte Islam bei uns einnimmt und auf was für eine Zukunft wir als Gesellschaft zusteuern. Der Islam ist nämlich keine Religion wie das Christentum, auch wenn von Politikern und Kirchenvertretern gerne die vielen Gemeinsamkeiten betont werden. Die Probleme im Zusammenleben entstehen durch die Unterschiede. Und die sind gewaltig. Wer das leugnet, ignoriert die völlig verschiedenen Wege, die beide Religionen gegangen sind.

In Europa nahm über Jahrhunderte hinweg der Reformdruck zu, dem die Kirchen ausgesetzt waren. In früheren Zeiten hatten sie praktisch das Monopol auf das Eherecht, kontrollierten das Bildungswesen und verfügten über enormen politischen Einfluss. Religiöse Führer krönten Kaiser, riefen zu Kriegen auf und mischten sich ganz selbstverständlich in die inneren Angelegenheiten von Imperien ein. 1493 teilte Papst Alexander VI. sogar die Welt zwischen Spanien und Portugal auf und zweifelte keinen Moment daran, dass er über die dazugehörige Autorität verfügt. Das war einmal das Auftreten christlicher Kirchen.

Von vielen Seiten in die Mangel genommen, schrumpften sie seither immer mehr zu gesellschaftlichen Institutionen unter anderen. Ein Prozess, der lange dauerte, oft erbittert geführt wurde und Menschenleben kostete. Aus heutiger Sicht aber ist klar, dass es den freien Westen und das machtbewusste Christentum eines Alexander VI. nicht zugleich hätte geben können. Der Westen formte sich „seine“ Religion so zurecht, dass sie heute in einer Ideenwelt bestehen kann, in der auch die entschiedene Ablehnung von Kirche und Gott gefahrlos möglich ist. Es ist eine Ideenwelt, die selbst größtenteils aus säkularisierten christlichen Werten besteht.

Der Islam hat keinen solchen Weg hinter sich. Er reagiert bis heute aggressiv auf Kritik an seinen Lehren und Dogmen. Er kam im Westen erst an, als Kirchen, Gesellschaft und Staat längst Frieden miteinander geschlossen hatten. Darum hat er auch nicht die Erfahrung hinter sich, bis in seinen Kern hinein kritisiert und lächerlich gemacht zu werden und das hinnehmen zu müssen. Eine historisch-kritische Koranforschung gab es in der Form nie, während in Europa ab dem 17. Jahrhundert eine entsprechende kritische Bibelforschung keinen alt- und neutestamentarischen Stein auf dem anderen gelassen hat.

Und genau an dieser Stelle fangen die Probleme an. Die westlichen Staaten gründeten auf der Gewissheit, dass die Religion gezähmt ist und sich der staatlichen Macht unterordnet. Niemand hatte damals an die Ankunft einer weiteren prägenden Religion gedacht, die nicht durch Aufklärung und Säkularisierung gegangen ist. Aber genau vor dieser Herausforderung steht der Westen heute mit dem Islam. Schon dass der Koran als letztgültige Wahrheit gilt, passt nicht ins westliche Denken. Dieses sieht vor, dass alles und jeder kritisiert und infrage gestellt werden darf. Kein Kritiker des Christentums muss deswegen heute in Europa unter Polizeischutz leben, sehr wohl aber eine Reihe von Islamkritikern. Darunter mit Geert Wilders auch einer der prominentesten Politiker des Kontinentes.

Mohammed – heute noch ein Vorbild?

Im Islam gibt es bislang keine Streitkultur, die mit der im Christentum (und Judentum) vergleichbar wäre. Nicht zuletzt am Umgang mit Mohammed ist das erkennbar. Er wird als idealer Mensch gesehen, dem es nachzueifern gilt. Womöglich hat er wirklich viele gute Dinge getan. Vor allem aber hat er auch Gefangene hinrichten lassen, besaß Sklaven und heiratete eine Sechsjährige, mit der er schlief, als sie neun war. Das wären im heutigen Deutschland alles schwere Straftaten. Kann so jemand wirklich ein zeitlos gültiges Vorbild sein?

Man würde erwarten, dass es eine lebendige Debatte in der islamischen Welt gibt, die sich mit dieser Frage beschäftigt, die schließlich einen zentralen Punkt des eigenen Glaubens betrifft. Doch diese Debatte findet kaum statt – und schon gar nicht auf offener Bühne. Ebenso entgeht der Koran einer kritischen Betrachtung, obwohl sich dort einige hochproblematische Passagen finden lassen. Da gibt es etwa Aufforderungen, die Ungläubigen ebenso zu töten wie jene, die den Islam verlassen haben. Und tatsächlich wird in vielen islamischen Ländern die Abkehr vom Glauben bis heute bestraft, in mehr als einem halben Dutzend mit dem Tod. 

Der Islam kommt im Westen mit dem ungebrochenen Anspruch an, auf kurz oder lang zu herrschen. Und er trifft dabei auf Länder, in denen nach dem vermeintlichen Ende der Religionskonflikte rhetorisch längst abgerüstet wurde. Weiterhin wird in der Scharia das eigentlich sinnvollste Gesellschaftssystem gesehen. Das ist nicht zuletzt deswegen ein Problem, weil die Scharia die Ungleichbehandlung der Geschlechter zementiert, wertend zwischen Moslems und Nichtmoslems unterscheidet und auch sonst nur schwer als Manifest gelebter Toleranz durchgeht.

Erschwerend kommt hinzu, dass wir im Westen schon unsere „heiligen Texte“ haben, wir nennen sie liberale Verfassungen, deren gemeinsames Fundament die Würde eines jeden Menschen ist. Dass regelmäßig muslimische Prediger ankündigen, eben diese Texte durch die Scharia ersetzen zu wollen, sobald es demografisch möglich ist, ist nicht gerade ein Beitrag zum gedeihlichen Zusammenleben. Dass ihnen in Umfragen fast die Hälfte der jungen Moslems zustimmen, übrigens auch nicht.

Dabei wäre es eigentlich ihre Aufgabe, die eigene Religion herauszufordern und überkommene Machtansprüche zu hinterfragen, statt sie zu bekräftigen. Das ist es nämlich, was im Westen unter Religionskritik fällt: der unnachgiebige Streit mit den totalitären Tendenzen und der moralischen Übergriffigkeit, die jede Religion mit sich bringt, die einen weltweiten Machtanspruch formuliert.

Sollte der Islam sich in dieser Hinsicht weiterhin nicht verwestlichen, steuern wir auf eine unruhige Zukunft zu, in der aus unserer Mitte heraus eine Konkurrenz zum liberalen Verfassungsstaat erwächst. Das wäre eine Zukunft, in der das alternde Europa der Aufklärung dem jungen Europa der islamischen Reaktion gegenüberstehen würde.